OB Schranz muss Haltung zeigen gegen überhastete Schulöffnung

Wie gut sind Oberhausener Schulen gerüstet, wenn am 23. April die Berufsschul-, Abi- und Zehner-Abschlussklassen kommen? Offen für Bürger hat die Bemühungen an verschiedenen Schulen verfolgt und mit Schulen gesprochen. Der Eindruck: Das Engagement der Schulen ist sehr hoch, doch die Ausstattung an Masken, Desinfektion und Räumen äußerst knapp genäht.

Die Lehrer sind an ihrer Belastungsgrenze, denn sie müssen unterrichten und sind gleichzeitig für die Wahrung der Hygienemaßnahmen verantwortlich. Zudem fehlen schätzungsweise bis zu 30 Prozent im Kollegium aus Altersgründen und aufgrund von Vorerkrankungen (Risikogruppe).

Schulen sind seit Jahrzehnten im Personal- und Sanitärbereich nur mangelhaft ausgestattet

Belastet sind aktuell besonders die Gesamtschulen, die mehrere Abschlussklassen betreuen müssen. Wenn die Schulen aber weiter für jüngere Klassen geöffnet werden, können sich die Engpässe noch zuspitzen, befürchtet OfB. „Unsere Schulen sind seit Jahrzehnten nur mangelhaft ausgestattet und im Sanitärbereich notdürftig saniert worden. Es kann nicht sein, dass sich das Land in der jetzigen Krise mit der Berufung auf Verordnungen und Einhaltung der Hygiene einen schlanken Fuß macht, und die Verantwortung nach unten weitergibt“, sagt Albert Karschti, gesundheitspolitischer Sprecher für OfB. So heißt es etwa in einem Rundschreiben des Schulministeriums lapidar: „Eine Maskenpflicht ist nur dann erforderlich, wenn die gebotene Abstandswahrung nicht eingehalten werden kann.“

Woher die Schulen in solchen Fällen die Masken nehmen sollen, bleibt vom Schulministerium unbeantwortet. Ebenso unbeantwortet ist die Frage nach der Betreuung: Wenn eine Klasse mit rund 27 Schülern halbiert oder gedrittelt werden muss, sind doppelt bis dreifach so viele Lehrer notwendig. „Und dass bei einem ohnehin vorhandenen Lehrermangel“, gibt Karschti zu bedenken.

OfB fordert: Keine Experimente mit Schulen

Die Ratsgruppe fordert daher das Land auf, mit Finanzen, Lehrpersonal und Sachmitteln wie Masken und Desinfektionsmitteln für die Sicherheit gerade zu stehen. „Oberhausen ist von einem Regelunterricht weit entfernt. Deshalb gilt: Keine Experimente mit Schulen. Wir wollen mit unserem Appell auch den Oberbürgermeister stärken. Daniel Schranz muss Haltung zeigen und seinen Rücken gegen den überhasteten Vorstoß der Landesregierung gerade machen, wenn unsere Schulen überfordert werden. Die eigene CDU-Parteizugehörigkeit darf nicht zum Stillschweigen führen. Unseren politischen Rückhalt hat er dafür.“

Aus den Kollegien vor Ort, unter Schülern, der Elternpflegschaft, den Gewerkschaften und Expertenkreisen werden die Bedenken gegen die Schulöffnungen lauter. Schüler rufen auch zum Boykott auf. (#SchulboykottNRW) Karschti: „Wir sehen das Gesundheitsamt und die OGM in der Verantwortung, die Räume zu prüfen und die Lehrerschaft zu beraten, um die notwendige Sicherheit herzustellen. Und ehrlich zu mahnen, wenn es nicht möglich ist.“