Erbe des Oberhausener Künstlers Mawick droht weitere Zerstörung

In der BV Sterkrade fordert Offen für Bürger ein Konzept statt hektischem Aktionismus, um die Ausschnitte aus bekannten ehemaligen Mosaik zu erhalten.

Droht das kulturelle Erbe des Oberhausener Künstlers Walter Mawick nun zum zweiten Mal zerstört zu werden? Am kommenden Donnerstag – vier Jahre nach dem unerhörten Abriss des Sterkrader Mawick-Mosaiks „Das Sparen: Geben und Nehmen“ an der Finanzstraße – stellt das Kulturbüro in der Bezirksvertretung Sterkrade einen Beschlussantrag zur Aufstellung von zwei 1×1 Meter großen Bruchstücken des ehemals 8 mal 12 Meter großen Mosaiks im Sterkrader Volkspark.

Nach vier Jahren Planungszeit handelt Verwaltung aktionistisch

„Es ist ein aktionistischer Antrag ohne Hand und Fuß, der im Vorfeld weder mit den Bürgern noch der Familie des Künstlers noch der Politik besprochen wurde“, kritisiert Werner Nowak. Die Fachverwaltung will in der BV einen ‘Skulpturenpark’ mit dem Mosaik-Fragment beschließen lassen, legt aber dafür weder ein Konzept vor noch kann sie die Kosten für die Aufstellung benennen – „und viel wichtiger noch: Sie hat nicht einmal die Kosten für den Erhalt berechnet“, so der Fraktionsvorsitzende von Offen für Bürger in Sterkrade. Und dass nach vier Jahren Planungszeit.
Nowak befürchtet, dass bei Umsetzung dieses Verwaltungsvorschlags auch diese Erinnerungsstücke an das Schaffen des Oberhausener Künstlers bald schon restlos zerstört sein werden, weil es keine Konzeption und keine Mittel für den Schutz vor Witterung und Vandalismus gibt.

Neffen des Künstlers Mawick mahnt: Mosaikstücke im geschlossenen Raum schützen

„Man will diese Ausschnitte im Volkspark offenbar sich selbst überlassen und im Volkspark einfach entsorgen“, greift Nowak den Antrag scharfzüngig an. Die Befürchtung teilt auch der Neffe des Künstlers, Karl Mawick, zu dem OfB Kontakt aufgenommen hat: „Nach meiner Meinung müssten die beiden Mosaikstücke in einem geschlossenen Raum aufgestellt werden, um sie vor Vandalismus und Witterungseinflüssen zu schützen“, antwortet Mawick in einem Schreiben. Er würde sich zudem eine Gesamtschau des Schaffens seines Onkels wünschen, dessen stadtbildprägende Kunst bewusst oder aufgrund von Nachlässigkeit zerstört wurde.

Zur Erinnerung: Vor vier Jahren hat die Verwaltung unter der Führung von Dezernentin Sabine Lauxen das Mawick Mosaik an der Finanzstraße in Sterkrade abreißen lassen, und damit Investoreninteressen vor Gemeinwohl gestellt. „Dass der Erhalt zu teuer sei, wurde zwar immer wieder behauptet, aber nur für das Abnehmen und Wiederanbringen an einem anderen Ort dargelegt“, stellt Nowak fest.
Nowak hatte 2016 jedoch gemeinsam mit dem Architekturprofessor Roland Günter vorgeschlagen, die gesamte Fassade in den Neubau zu integrieren und damit zu erhalten. Vorbilder für diese Vorgehensweise gibt es etwa in Duisburg. Diese Kosten sind von der Verwaltung jedoch nicht durch Kostenvoranschläge geprüft worden, sondern wurden pauschal abgelehnt.

Offen für Bürger fordert: Bürger mitnehmen, denn es geht um ihre Geschichte

Um das Erbe Mawicks zu schützen, will Offen für Bürger die Vorlage ändern lassen: Zum einen soll die Verwaltung ein Konzept für einen möglichen Skulpturenpark vorlegen, der die Kosten für Aufstellung, Schutz und Pflege enthält. Ferner sollen weitere Vorschläge aus der Bürgerschaft gesammelt werden, wo die Fragment außerdem aufgestellt werden können. „Wir wollen die Sterkrader mitnehmen, denn es geht auch um ihre Identifikation mit diesem Stück Geschichte, das unseren Stadtteil geprägt und geschmückt hat“, sagt Nowak. OfB schlägt selbst vor, dies im Umfeld des ehemaligen Standorts an der Finanzstraße aufzustellen.