Müllgebühren: Abrechnung nach Gewicht fördert Umweltbewusstsein und senkt Kosten

Offen für Bürger fragte bei Städten nach, die nach Gewicht abrechnen. Das Fazit: mehr Kontrolle über Kosten, bessere Mülltrennung, gesteigertes Umweltbewusstsein

„Der Landkreis Landsberg am Lech ist insgesamt mit der Verwiegung der Mülltonnen zufrieden, da jeder einzelne Bürger Einfluss auf die Höhe seiner Müllgebühren nehmen kann“, so lautet – auf Anfrage von Offen für Bürger – das Fazit einer Kommune, die seit Jahren auf eine Abrechnung der Müllgebühren nach Gewicht umgestiegen ist. Und: „Die Müllverwiegung führt auf jeden Fall zu einem gesteigerten Umweltbewusstsein der Bürger und i.d.R. auch zu einer besseren Mülltrennung.“

Ident-System macht Müllabrechnung nach Gewicht möglich

Landsberg ist bei weitem nicht die einzige bürgerfreundliche Kommune. Auch Monheim, Heiligenhaus, Detmold und andere stellten vor Jahren um. Seitdem haben es dort Bürger selbst in der Hand, ihre Kosten über ihren Müllverbrauch zu kontrollieren.

Offen für Bürger fragte bei spezialisierten Firmen nach dem Aufwand und Kosten für ein solches Berechnungssystem. Dort rechnet man mit ca. 20.000 Euro pro Fahrzeug für eine Ausstattung mit einer Schüttungswaage inklusive der Verbindung zum bestehenden Ident-System, mit dem die Stadt die Müllwagen bereits im Juli 2018 ausstatten ließ.

Und spart viel Geld pro Haushalt

Ein Blick nach Landsberg zeigt die Ersparnisse pro Haushalt: Die wöchentliche Leerung einer vollen 120-Liter Restmülltonne kostet einen Haushalt jährlich ca. 282,18 Euro. In Oberhausen zahlt man ca. 329,11 € – rund 48 Euro mehr. Wer seinen Müll nur um ein Viertel reduziert, hat am Ende sogar noch mehr Geld in der Haushaltskasse. „Das Ident-System ist die geeignete Voraussetzung für eine solche Gewichtsberechnung – die Stadt hat in die digitale Erfassung von Tonnen bereits investiert“, sagt Albert Karschti von Offen für Bürger.

Zumal: Ein aktuelles Ranking der Müllgebühren von 2019 durch Haus und Grund macht deutlich: Oberhausen liegt hinsichtlich Service und Gebührenhöhe nur auf Platz 69 von 100 Städten in Deutschland. Im Vergleich: Duisburg liegt auf 54, Mülheim auf Platz 37, Bottrop auf 12, Essen sogar auf 9. Die Kosten im Mittel liegen in Essen bei 182,93 Euro, in Oberhausen aber bei 321,01 Euro. Karschti: „Alle angrenzenden Städte schneiden hier BESSER und GÜNSTIGER ab als Oberhausen. Es wird Zeit, daran etwas zu ändern.“

Landsberg: Mülltourismus sind Einzelfälle

Übrigens: Einen wachsenden Mülltourismus – so lautete eine Kritik im Umweltausschuss – kann Landsberg nicht bestätigen: „In Einzelfällen kann die Müllverwiegung dazu führen, dass Bürger ihren Hausmüll in öffentlichen Mülltonnen oder Containern entsorgen“, sagt ein Mitarbeiter der Stadt.

Die Vorteile einer Gewichtsabrechnung überwiegen aus Sicht des OfB-Manns Karschti: „Es wäre nicht zu verstehen, dass man den Bürgern eine faire Kostenberechnung nicht bietet, die am Ende die Mülltrennung optimiert und sogar Müll sparen kann. Das sind eindeutige Gewinne für unsere Umwelt und die Stadt.“