Klimaschutz oder Dezernentin – Grüne müssen sich entscheiden

Zum ‘Leserbrief’ des Grünen Fraktionsvorsitzenden Andreas Blanke

Es ist wohl dem Zeitgeist geschuldet, dass immer häufiger politische Mandatsträger in einem „Leserbrief“ auf Bürger reagieren, wo eigentlich eine offizielle Stellungnahme erforderlich wäre. Ein Novum ist es allerdings, wenn sogar Fraktionsvorsitzende den scheinbar privaten Weg der politischen Äußerung gehen.

Wir gehen folglich davon aus, dass der Grüne Fraktionsvorsitzende Andreas Blanke für seine neuerlichen Äußerungen zum Baumbestand in Oberhausen KEINEN Rückhalt bei den Grünen hatte.

Junger Baum kann die Funktionen eines alten nicht kompensieren

Besser ist das auch, denn was Andreas Blanke als die „Fakten“ für eine positive Baum-Bilanz vorlegt, entpuppt sich als reine Nebelkerze. Denn entscheidend für eine gute Bilanz ist nicht, dass es stadtweit innerhalb von sieben Jahren gerade einmal 720 Bäume mehr gibt als 2012.

Eine viel größere Rolle spielt das Verhältnis von jungen und älteren Bäumen, weil sie natürlich gravierend unterschiedliche Mengen an CO2 aufnehmen und filtern mahnt unser Ratsherr Albert Karschti, der Offen für Bürger im Umweltausschuss vertritt.

Entscheidend ist damit ebenso das Verhältnis von gefällten Bäumen zu neu gepflanzten, ein Verhältnis von eins zu eins kann nicht die „ökosystemaren Funktionen (CO2-Bindung, Sauerstoffproduktion) eines großen alten Baumes kompensieren“ – das hätte der Grüne Fraktionsvorsitzende auch einem Positionspapier seiner eigenen Partei entnehmen können.

Nicht weniger wichtig ist die Frage, welche Baumarten durch andere ersetzt werden: Eine Buche nimmt etwa doppelt so viel CO2 auf wie eine Fichte. Und nicht zuletzt muss einbezogen werden, wo Neupflanzungen stattfinden. „Im Grünen nützen uns Neupflanzungen wenig, wenn gleichzeitig in der Innenstadt massiv verdichtet wird“, so OfB-Mann Karschti.

Negativbeispiel Sterkrade: 98 Bäume gefällt, nur 9 nachgepflanzt

Ein negatives Beispiel, wie die Stadt mit solchen Nachpflanzungen umgeht, zeigt der Volkspark Sterkrade. Auf Anfrage von Offen für Bürger (M/16/4103-01, 8. Nov. 2018) musste die Verwaltung einräumen, dass dort innerhalb von fünf Jahren 98 Bäume gefällt wurden. Doch gerade einmal 9 sind nachgepflanzt worden.