SPD und CDU lehnen kostenlosen ÖPNV an Advents-Wochenenden ab – und haben selbst keine Alternativen

Als „Banane“ bezeichnete SPD-Ratsherr und Sterkrader Bezirksbürgermeister Ulrich Real den Vorschlag von Offen für Bürger (OfB) im Rat, Fahrten mit dem öffentlichen Nahverkehr an den Advents-Wochenenden kostenlos anzubieten. In offensichtlicher Unkenntnis des Hintergrundes und der Fakten zu dieser Idee machte sich Real dabei selbst zum Affen.

Politik vertagt Verkehrswende Jahr für Jahr

Denn das Anliegen des Antrags dürfte nicht nur jedem Oberhausener einleuchten: Seit Jahren herrscht in der Adventszeit – und besonders an den offenen Verkaufstagen am Wochenende – ein enormer Verkehrsstau, vor allem rund um das Centro.

Eine Lösung wird politisch von SPD und CDU ebenso lang versprochen. Nur wird die notwendige Verkehrswende Jahr für Jahr vertagt. Offen für Bürger sieht einen Lösungsansatz, indem man den ÖPNV vergünstigt: „Die Polizei empfiehlt auf Bus und Bahn umzusteigen, die ÖPNV-Verbindung zum Centro ist gut, es fehlt für viele Oberhausener und Besucher von außerhalb nur der letzte Schubser – wir wollen Anreize bieten, das Auto zuhause zu lassen“, sagt Albert Karschti von OfB.

Kostenloser ÖPNV als positiver Anreiz, das Auto stehen zu lassen

Ein kostenloser ÖPNV an den Advents-Wochenenden – als Ticket oder als Sonderbusse – könnte aus Sicht von OfB ein solcher Anreiz sein. Doch im Rat bügelte man den Vorstoß direkt ab: Im Antrag seien die Kosten dafür nicht aufgeführt und ohne den VRR sei das angeblich nicht zu machen. Für SPD-Mann Real war der Vorschlag deshalb nur „Banane“, für den Grünen-Chef Andreas Blanke gleich schon „populistisch“ – es ging für die politischen Verbalakrobaten offenbar keine Nummer kleiner. Freilich gab es von politischer Seite keinen Gegenvorschlag zur Ablehnung.

Lösungen gibt es freilich anderswo: In Monheim will man ein kostenloses ÖPNV-Ticket für alle Monheimer einführen. Und auch in die Nachbarstädte fahren Monheimer dann zum halben Preis. Übrigens: Monheim liegt im VRR – für die Stadt kein Hindernis, das Ticket einzuführen. Augsburg und Pfaffenhofen wollen bald ähnliche kostenloses Konzepte bringen. Doch dem politischen Oberhausen fehlt weiterhin die Vorstellungskraft selbst einer Kleinstadt mit 44.000 Einwohnern.

Wer trägt die Kosten des Verkehrskollaps?

Und die Kosten? „Die Schadstoffbelastung für die Umwelt, der nervliche Stress, der Lärm, die investierte Zeit und die Mehrkosten für Kraftstoff sind durch den Einkaufsverkehr enorm – wer trägt eigentlich die Kosten für den Verkehrskollaps?“, kritisiert Karschti, dass ohne eine Lösung, die Allgemeinheit und jeder einzelne Bürger mit Umweltbelastung und gesundheitlichen Schäden bezahlen muss. Von einem kostenlosen ÖPNV hingegen profitieren Umwelt, Anwohner, Autofahrer und Besucher der Einkaufszonen, egal ob in Alt-Oberhausen, Sterkrade oder dem Centro.

Fakten: Gesellschaftliche Kosten für Kohlendioxid, Feinstaub, Stickoxide

Übrigens: Das Umweltbundesamt hat ermittelt, dass jede Tonne ausgestoßenes Kohlendioxid rund 180 Euro in Form von Schäden an der Natur kostet. Nach ihren Angaben verursachte der Kohlendioxidausstoß alleine 2016 in Deutschland 164 Milliarden Euro Schaden. Die Emission einer Tonne Feinstaub (PM2.5) im Verkehr verursacht durchschnittliche Umweltschäden in Höhe von 59.700 Euro, die Emission einer Tonne Stickoxide (NOx) 15.000 Euro. Hochgerechnet auf die Gesamtemissionen des Verkehrs in Deutschland im Jahr 2016 ergibt das Umweltschäden von 1,49 Mrd. für Feinstaub und 7,29 Mrd. Euro für Stickoxide pro Jahr. Das Amt rechnet auch die Kosten ein, die durch gesundheitliche Schäden entstehen: Gehörschäden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Herzinfarkte sind mögliche Langzeitfolgen chronischer Lärmbelastung. In der Verkehrsökologie nennt man dies „externe Effekte“ – Kosten einer individuellen Handlung werden auf die Allgemeinheit, andere Räume oder Zeiten abgewälzt.